Veranstaltungsreihe

Was tun für Europa?

Demokratie in Bewegung und die Jungen Europäischen Föderalisten waren zu Besuch: Eindrücke vom dritten öffentlichen Eutopia-Gespräch.

von Theresa Jeroch 16. Mai 2017

Es naht Rettung. Dies zumindest lassen die beiden Initiativen hoffen, die beim dritten öffentlichen Eutopia-Gespräch vorstellig wurden. Es ist der 2.5., Schauplatz abermals die Wildenbruch Bar und auf dem Podium sitzen, moderiert von Eva Stotz und Laetitia Lenel, Anne Isakowitsch von der jüngst gegründeten Partei Demokratie in Bewegung und Sophia Simon, Vorsitzende des Vereins der Jungen Europäischen Föderalisten in Berlin-Brandenburg. Gerettet werden wollen im ersten Fall die Demokratie und im zweiten Europa.
Brexit, Trump und AfD, um nur die prominentesten Schlagworte zu bemühen, riefen überall auf der Welt Gegenkräfte auf den Plan. Auch Demokratie in Bewegung entstand in diesem Zuge und gewann viele Unterstützer für sich mehr als 100.000 Unterschriften sammelte sie. Die Partei will die Verdrossenen mobilisieren und die Demokratie wiederbeleben“, indem sie auf Transparenz und Mitbestimmung setzt. Engagieren können sich alle, ob Mitglied oder nicht: Das sogenannte Initiativprinzip“ ermöglicht es jedem, eine Idee einzubringen, die sich durchsetzen kann, so sie denn genügend Stimmen bekommt und mit den unveräußerlichen Werten“ konform ist: Weltoffenheit, Transparenz, Zukunftsorientierung und Gerechtigkeit. Wie das genau funktioniert, seht ihr hier. Im September möchten sie mit Frauen- und Vielfaltsquote und 10% in den Bundestag einziehen, was eingedenk des erst kürzlich vollzogenen Gründungsaktes von großem Optimismus und Kampfesgeist zeugt, zumal es abgesehen von den Herzstücken noch gilt, das Programm zu entwickeln.
Die Jungen Europäischen Föderalisten, bereits 1949 unter dem Namen Bund Europäischer Jugend ins Leben gerufen, müssen sich damit nicht mehr auseinandersetzen; die engmaschigen bürokratischen Strukturen gerne als Vereinsmeierei beklagt verhindern zudem die ewigen Grundsatzdiskussionen. Und dennoch: Der oben erwähnte Populismus der letzten Jahre stellte auch für sie eine Zäsur dar, weil augenfällig wurde, dass der Verein, seine Vision, ja, die proeuropäische Idee scheiterte. Ein Paradigmenwechsel sollte vor allem für mehr Sichtbarkeit sorgen. Die Kampagne The European Moment brachte prompt Erfolg und bei der Auftaktveranstaltung The March for Europe am 25.3. rund 6000 Menschen auf die Straße. Wir sind spät dran, aber jetzt wird Europa gerettet“, sagt Sophia. Und die Demokratie gleich mit; dafür wird Anne sorgen.  Als Einwände kamen, Fragen, wie diese junge Partei es denn genau schaffen will, in der Kürze der Zeit ein kohärentes Programm mit dem vorgestellten Prozedere zu konzipieren, tönt es aus den hinteren Reihen: Aber guck doch mal die Grünen an!“ Eben. Gut Ding will Weile haben.

Über Theresa Jeroch

Theresa Jeroch, geboren 1987 in Dresden, studierte Betriebswirtschaftslehre, Kunstgeschichte und Geschichte in Magdeburg, Leipzig und an der Freien Universität Berlin. Seit 2016 wissenschaftliche Mitarbeiterin ebd. und Promovendin zu kommunikativen Strukturen spätmittelalterlicher Fassaden.

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